Vorwort.

Campi Flegrei (brennende Felder) ist eigentlich Teil einer Caldera (eines aus 24 Kratern bestehenden Supervulkans) westlich von Neapel und bildet den westlichen Rand des Tieflands von Kampanien in Italien. Der größte Teil des Vulkans liegt in der Bucht von Neapel unter Wasser. Ursprünglich befanden sich in dieser Region einige griechische Siedlungen. Dieser Teil des heutigen Italiens geriet ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. unter römische Herrschaft. Das Gebiet war damals wegen der dichten Bewaldung der „Silva Gallinaria“, in der viele Banditen und Geächtete Zuflucht suchten, noch schwer zugänglich. Wie in Ostia war auch Malaria weit verbreitet. Nachdem der Wald größtenteils gerodet worden war, entstanden neue Siedlungen wie beispielsweise Baiae. Die Römer errichteten hier verschiedene Häfen, darunter Puteoli (das heutige Pozzuoli), das in der Mitte des Gebiets lag. Dieser Artikel handelt von den Häfen der Campi Flegrei.

Von Cristiano Fiorentino
Puteoli

Der Handelshafen von Puteoli (dem heutigen Pozzuoli) war, bevor Trajan im Jahr 103 n. Chr. in Portus2 einen neuen Hafen errichten ließ, zeitweise der wichtigste Hafen Roms, und die Ausdehnung der Stadt erreichte daher beispiellose Ausmaße. Aus allen Himmelsrichtungen wurden Waren wie Gewürze, Sklaven, Wein, Keramik und wertvolle Gegenstände für den römischen Markt herangeschafft sowie natürlich, nicht zu vergessen, das Getreide für die Lebensmittelversorgung Roms, das jedes Jahr von der alexandrinischen Flotte (classis Alexandrina) angeliefert wurde. Dieses Getreide wurde vorübergehend in großen horrea (Lagerhäusern) aufbewahrt, die sich vom eigentlichen Hafen von Puteoli entlang der Küste bis zum „Arco Felice“ erstreckten. Dort lag es zur Sortierung bereit und wurde anschließend in die Hauptstadt und den Rest des Reiches transportiert.
Der Hafenkomplex, der in dieser großartigen Form auf den Beginn der Kaiserzeit zurückgeht, wurde während der Herrschaft Hadrians durch einen Sturm schwer beschädigt. Der versprochene Wiederaufbau wurde 139 n. Chr. von seinem Nachfolger Antoninus Pius ausgeführt, wie auf einer im Hafenwasser gefundenen Inschrift zu lesen ist: opus pilarum vi maris conlapsum a divo patre suo promissum restituit 3.
Der Niedergang des Hafens von Puteoli

Mit dem Aufstieg des Hafens von Portus verliert Puteoli seine bevorzugte Stellung, als ein Teil der alexandrinischen Flotte nach Portus verlegt wird, das näher bei Rom liegt. Dennoch kommt Puteoli noch lange Zeit eine wichtige Rolle zu, insbesondere bei den Kontakten mit der afrikanischen Küste.
Schließlich beginnt jedoch eine langsame Phase des Niedergangs des Hafens. Ob dies nun an der sinkenden Besucherzahl, an den Versandungsproblemen infolge des Bradyseismos5 oder natürlich an der schweren Krise innerhalb des Kaiserreichs lag: Tatsache ist, dass Puteoli in der Zeit vom Ende des Weströmischen Reiches bis zum Mittelalter vollständig verlassen wurde.
Der Hafen von Misenum.
Der Bacoli-See, auch Miseno-See genannt, war ein natürlicher See und der weiter landeinwärts gelegene Teil des Doppelbeckens, aus dem dieser Hafen bestand. Der Miseno-See hatte einen Umfang von etwa 3 km und wurde auch Maremorto (Totes Meer) genannt. In der Antike diente er als Werft und zur Wartung der Schiffe.
Das an der Außenseite gelegene Becken war der eigentliche Hafen. Zwischen den beiden Becken vermuten Historiker Hafenanlagen und eine Unterkunft für die classis Misenensis (die Flotte von Miseno).

Neben dem Hafen wurde eine große Zisterne namens Piscina Mirabilis (außergewöhnlicher Teich) errichtet. Dieses Wasserreservoir war der wichtigste Wasserlieferant für die Militärschiffe. Die Schiffe der Flotte blieben im Herbst und Winter sicher im Hafen (siehe Artikel „Winterschifffahrt“)
Erst am 5. März liefen sie anlässlich des Festes Isidis Navigium (das Schiff der Isis) zu Ehren der ägyptischen Göttin Isis, Schutzherrin des Meeres, der Seeleute und der Tätigkeiten auf See, wieder aus. Danach brachen verschiedene Abteilungen zu anderen wichtigen Häfen im Mittelmeer auf, etwa zum nicht weit entfernten Centumcellae (siehe Artikel „Centumcellae, der Hafen Trajans“), nach Piräus (Athen) in der Ägäis oder nach Salona an der Adria.
Der Hafen des Julius und der Hafen von Baiae
Um 37 v. Chr. benötigte Octavians Verbündeter, General Vipsanius M. Agrippa, für einen Kampf gegen Sextus Pompeius, der das Meer beherrschte, einen Militärhafen im Gebiet zwischen dem Averno- und dem Lucrino-See. Der Hafen lag nahe bei Baiae, der mondänsten römischen Stadt jener Zeit, mit Kurorten, Casinos und großen Landhäusern – kurz gesagt, einem Ort für die Reichen mit einem zivilen Hafen.

Der Bau des neuen Hafens Portus Iulius mit begrenzter Infrastruktur wurde vom Architekten Lucio Cocceio Aucto ausgeführt. In der Antike wurde der Hafen durch einen schmalen, langen, am Strand errichteten Damm geschützt, der an der Punta dell’Epitaffio begann und mit der Punta Caruso verbunden war, wo er die Via Herculanea kreuzte. In den Damm war ein Kanal gegraben, durch den Schiffe in den äußeren Hafen, das Lucrino-Becken, einfahren konnten. Von dort gelangte man durch einen weiteren Kanal in den Lago d’Averno.
Der Hafen wurde zum Stützpunkt der Flotte des westlichen Mittelmeers, der classis Mensinensis. Die östliche Flotte lag in Ravenna.

Der Militärhafen von Misenum
Der Hafen von Misenum, der dieselbe Form wie der von Ravenna hatte, befand sich neben dem heutigen Bacoli und dem gleichnamigen Capo Miseno. Wie der Hafen von Ravenna konnte er mindestens 250 Schiffe aufnehmen. In augusteischer Zeit wurde dieser nahe dem Hafen des Julius gelegene Hafen zum Nachfolger des unpraktisch gewordenen Militärhafens in der Bucht von Puteoli und zum wichtigsten Militärstützpunkt der prätorianischen Flotte, mit der die Küste des westlichen Mittelmeers bewacht wurde.
Ein rascher Niedergang zugunsten von Misenum
Das militärische Leben des Portus Julius war tatsächlich nur von kurzer Dauer. Wegen der Versandung, wahrscheinlich bereits im Jahr 12 n. Chr., wurde die Militärflotte in das nahe gelegene natürliche Hafenbecken von Misenum verlegt. Der Hafen selbst wurde zu einem zivilen Hafen für Baiae umgebaut. Nach der militärischen Phase wurde das Gebiet, ebenso wie Baiae, zu einem Ort für Kurstätten und luxuriöse Residenzen.

In späteren Jahrhunderten waren die Hafenanlagen erneut dem Bradyseismos ausgeliefert. Cassiodor berichtet, dass der Wellenbrecher des Hafens am Ende des fünften Jahrhunderts absank und zerstört wurde.
In den folgenden Jahrhunderten verschwanden der gesamte Damm und die Hafenanlagen unter Wasser, sodass Lucrino eins mit dem Meer wurde. In einem Dokument aus dem Jahr 1503, in dem verschiedene Bewegungen des Bradyseismos beschrieben werden, heißt es: „Bei Ebbe zeigt das Meer verschiedene ‚pilae‘.“
Die Hebung der Küste setzte sich bis zum Ausbruch des Monte Nuovo am 29. September 1538 fort, der das Verschwinden des Dorfes Tripergole zur Folge hatte und den Lago Lucrino auf kaum mehr als eine Wasserlache reduzierte.
Über Portus Iulius wurde erst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wieder gesprochen. Dies war sowohl der Luftfotografie und den ersten brauchbaren, von Piloten aufgenommenen Fotos als auch der Unterwasserfotografie zu verdanken. Dieses Material hat bereits viel zum gestiegenen Interesse von Studierenden und der Denkmalschutzbehörde, der soprintendenza, beigetragen. Letztere unternahm aufgrund der Luftaufnahmen erste Schritte zum Schutz des Gebiets, indem sie mehrere Tauchkampagnen begann, um diesen großen Hafenkomplex zu kartieren, der Berichten zufolge eine Fläche von etwa 10 Hektar gehabt haben soll (siehe Video).

Derzeit wird nur der östliche Teil untersucht, insbesondere der Abschnitt vor dem „Lido Augusto“. Er besteht aus Gebäuden, die als Lagerhäuser genutzt wurden und deren Mauern in „opus reticulatum“9 errichtet wurden; sie ragen einige Zentimeter bis zu einem Meter über den Meeresboden hinaus. Die Gebäude blickten auf einen zentralen Innenhof und grenzten an der Westseite an ein Landhaus mit einem Peristyl aus Backsteinsäulen. Der weitaus größte Teil des Komplexes ist leider noch nicht kartiert. Alle grafischen Darstellungen beruhen auf Fotoauswertungen.
Der ursprüngliche zivile Hafen von Baiae besaß wie Portus Julius einen Damm, der von einem Kanal unterbrochen war, um eine sichere Einfahrt zu ermöglichen.
Auch Baiae und sein Hafen fielen ab dem fünften Jahrhundert den Naturgewalten zum Opfer. Malaria führte schließlich dazu, dass die gesamte Region im Laufe der Zeit völlig verlassen wurde.

Quellen::
http://www.archeoflegrei.it/
Anmerkungen:- 1: Campi Phlegraei-Neapel, Zeichnung von Sir William Hamilton aus dem Jahr 1776
- 2: Trajan errichtete seinen Hafen in Portus hinter dem des Claudius, weil der relativ offene Hafen des Claudius doch zu viele Probleme verursachte. Bei Sturm sanken im Hafen durchaus Schiffe.
- 3: opus pilarum vi maris conlapsum a divo patre suo promissum restituit. Übersetzung: die durch die Gewalt des Meeres zerstörten Pfeiler gemäß dem Versprechen seines göttlichen Vaters wiederhergestellt.
- 4: Künstlerische Darstellung von Cristiano Fiorentino
- 5: Bradyseismos ist die allmähliche Hebung oder Senkung eines Teils der Erdoberfläche durch das Füllen oder Leeren einer unterirdischen Magmakammer eines Vulkans
- 6: Foto: Ferdinando Marfella
- 7: Foto: Tower Life (Octavia Drughi)
- 8: Foto: Archivo Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei
- 9: Opus reticulatun: Eine von den Römern um 100 v. Chr. entwickelte Bauweise aus kleinen, rautenförmigen Tuffsteinen.
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