07 Feb 2016

Ein Hafen für Rom

Es gibt nur wenige Dinge, die man über die Ursprünge Ostias mit Gewissheit sagen kann. Ostia war, wie der lateinische Name besagt, ein Mund, eine Mündung; ein Eingang, der fünfundzwanzig Kilometer von Rom entfernt am Tiber gebaut wurde. Und genau darin lag Ostias Bedeutung für den Stadtstaat, der zur größten Macht der westlichen Hemisphäre wurde. Einen Hinweis auf die Gründung Ostias finden wir auf einer Marmorplatte aus der ersten Hälfte des 2. Jh. n.Chr., der Blütezeit der Stadt:
A [NCO]  MAR[CIO]  REG[I]  QUART[O   A  R[OMUL[O]  QUI A[B  URBE[C]ONDIT [A  PRI] MUM  COLON[IAM    ] DEDUX[IT ] 1
Die Inschrift geht auf eine Legende zurück, die im 3. Jh. v. Chr. oder früher entstanden ist und besagt, dass Ostia als erste römische Kolonie von Roms viertem König, Ancus Marcius, gegründet wurde.

Der ältesten erhaltenen Beschreibung des Historikers Quintus Ennius2 zufolge wurde Ostia als Stützpunkt zum Schutz gegen Angriffe von See während der Punischen Kriege, während des Krieges gegen Hannibal, gebaut. Livius, ein anderer römischer Historiker schreibt, dass der Standort zum Schutz der naheliegenden Salzfelder errichtet wurde3. Schriftliche Nachweise gibt es nicht, aber die archäologische Forschung im “Castrum” hat ergeben, dass es bereits im 4. Jh. v. Chr. eine Verteidigungsstellung gab, wo sich bald auch Handwerker und Händler niederließen; das Castrum wurde zur Stadt.

CASTRUM SCHOON
Die Konturen des Catrums kann man noch heute sehen.

Tuffsteinmauer des Castrums

Das römische "Castrum" war ein Feldlager, das immer nach dem gleichen Prinzip angelegt wurde: Ein rechteckiger Erdwall (der in Ostia später durch eine Tuffsteinmauer ersetzt wurde) mit je einem Tor in der Mitte jeder Seite des Rechtecks. Die Tore wurden durch zwei Straßen, die sich rechtwinklig kreuzen verbunden. Der Weg zwischen den Toren der kurzen Mauern ist der Decumanus Maximus, der Weg, der die Tore der beiden längeren Mauern verbindet, wird Cardo Maximus genannt. Auch im antiken Ostia sind diese beiden Straßen so angelegt und noch heute begehbar. Der Decumanus Maximus führt zum östlichen Stadttor, zur Porta Romana. Dort beginnt die Straße nach Rom, die heute als Via Ostiense bekannt ist.

Etwa ab dem 4. Jh. v. Chr. wurde Ostia für den römischen Handel, insbesondere für den Überseehandel mit Getreide immer wichtiger. Rom expandierte und wuchs und Ostia wuchs mit. Dieser Wachstumsprozess bescherte der Hafenstadt allerdings auch das Problem, den wachsenden Bedarf der Weltstadt irgendwann nicht mehr decken zu können. Dazu kam dass der Hafen von Ostia mehr und mehr verschlammte und durch seine offene Lage und alljährliche Stürme gefährlich für die einfahrenden Schiffe wurde.
Der Geschichtsschreiber Strabon beschrieb die Situation wie folgt:

"Ostia war [ohne Hafen] - durch die vom Tiber mit seinen zahlreichen zufließenden Bächen verursachte Verschlammung. Obwohl es für die Handelsschiffe nicht ungefährlich war, weit draußen in der Brandung zu ankern, überwog die Aussicht Gewinne zu erzielen. Kleinere Schiffe fuhren aus, um die Handelsschiffe zu be- und entladen. Das Ankern auf See ermöglichte es den Schiffen wieder fortzusegeln, bevor sie mit dem Fluss in Berührung kamen oder aber, sie segelten, um einen Teil ihrer Ladung erleichtert, den Tiber hinauf, landeinwärts bis nach Rom." 4

Ein weiteres Problem war die zunehmende Größe der Schiffe, vor allem für den Überseetransport der Getreideernte, da der Tiber bei Ostia nur 100 Meter breit war. Laut Plutarch5 war es Julius Caesar, der als erster in Erwägung zog, die versteckten Untiefen auszuheben und Hafenmolen zu bauen, um die großen Schiffe aufnehmen zu können. Sueton schreibt vom “portum Ostiensem... a Divo Iulio saepius destinatum ac propter difficultatem omissum5

Kaiser Claudius war es dann, der etwas nördlich von Ostia einen neuen Hafen bauen und mit den versprochenen Hafenmolen ausstatten ließ.

Später, während der Regierungszeit Trajans, reichte auch der von Claudius gebaute Hafen nicht mehr aus und Trajan erweiterte diesen durch einen hexagonalen Binnenhafen und einen Kanal, der den Tiber mit dem Meer verband, die sogenannte “Fossa Traiana”. So entstand zwischen dem Tiber, dem neuen Kanal und dem Meer eine künstliche Insel, die als Isola Sacra, die heilige Insel, bekannt wurde.
(Mehr über die Isola Sacra in der nächsten Ausgabe.)

Übersetzung Dirk Nolte

  • Fußnoten:
  • Quelle: R. Meiggs; Romean Ostia; Oxford At the Clarendon Press1973
  • (1). S 4338
  • (2) Ennius, Ann, ii, fr. 22 (Vahlen)
  • (3) Livius, i, 33.9: Silva Maesia Veientibus adempta usque ad mare imperium prolatum et in ore Tiberis Ostia urbs condita, salinae circa factae
  • (4) Strabo 231-2
  • (5) Plutarch: Caes. 58.10
  • (6) Sueton, Claudius 20.1

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